Nacht in Passau

27.04.2002
 

So, nun sind wir dort. Da, wo Ich mich seit Beginn der Reise gesehnt habe, zu sein. Draussen scheint der Vollmond und wirft einen glaenzenden Strahl auf das Meer.
Der Kuestenstreifen hier erinnert an Italien oder die Cote d Azur. Wir sitzen in einer Bar in einer kroatischen Hafenstadt namens Riejka, trinken und resuemieren die vergangenen Wochen. Unser letzter Partyabend liegt exakt eine Woche und zwei Laender zurueck: Passau in Deutschland.

Nachdem wir eine dreitaegige Knie-Erholungspause eingelegt hatten, liefen die 70 km nach Passau praktisch wie von selbst. Nach einigen Querelen bei Abholung unseres postlagernden Pakets, liessen wir meine Gluecksmuenze, ein altes 10-Markstueck, unsere Weiterfahrt bestimmen. Die Muenze entschied sich fuers Bleiben. Das bedeutete fuer uns, die Weggehmoeglichkeiten eines Freitagabends in einer bayrischen Studentenstadt zu erforschen.
Beim Herumkurven in der Altstadt stiessen wir auf eine Horde Studenten, die mit drei Bierkaesten bewaffnet unter einer altertuemlichen Unterfuehrung stand. Nach der ueblichen Kennenlernensquatscherei, wurden wir von den (ueberwiegend Jura-) Studenten zum Bier eingeladen und man verabredete sich zu einer nahegelegenen Erasmus-Studentenparty. Unter der Gruppe befand sich eine ca. 1,55 m grosse Studentin mit einem alten knatternden VW-Kaefer, die uns staendig von ihrem Austauschjahr in Chile erzaehlte. Da wir uns ihren Namen nicht merken konnten, wurde sie von uns fortan als "die Chilenin" betitelt und (nach entsprechendem Alkoholkonsum) mit Baby, Suesse oder Kleines angesprochen.
Nun, draussen goss es in (eiskalten) Stroemen und das einzig Erfreuliche an der Party waren die guenstigen Getraenkepreise. Die Leute waren maessig interessant, ein paar Jungs stellten sich als Berliner vor, und lallten mich voll, wie geil Berlin sei; kurzum, es wurde Zeit zu gehen.
Die Chilenin erzaehlte uns von einem Club in der Stadt mit Rockmusik; wir sollten hinterherfahren. Angestachelt von Wodka-Lemon, Bier und meinem leichten Fahrrad reizte es mich, mir mit dem Kaefer ein Rennen zu liefern. Es ging streckenweise bergab und der Kaefer hat schliesslich nur 4 Gaenge, Ich hab 27!
An die Fahrt im Einzelnen moechte ich weder denken, noch ueber sie schreiben, nur soviel: es gab ein Abfahrtsueberholmanoever und am naechsten Tag zeigte mein Sigma-Tacho eine V-max von 81,4 km/h.
Spektakulaer auch Sebastians Ankunft vor der Disko. Bei Schraeglage wurden beide Bremsen betaetigt, das Hinterrad stand in der Luft, er fiel vom Rad und rollte sich mit Purzelbaum rueckwaerts ueber den nassen Asphalt. Den fliessenden Verkehr behindernd, hob er auf der Strasse sitzend die Faeuste in Siegespose und wir groehlten ueber die erbrachte Leistung, wie zwei Tour-de-France Gewinner nach Zieldurchfahrt. Das naechtliche Szenario wurde von den anwesenden Autos und Passanten mit Hupen und Lachen kommentiert.
Der Rest des Abends bleibt in verschwommener Erinnerung. Wir versuchten noch herauszufinden, wie wir mit Fahrraedern am schnellsten ins P1 nach Muenchen kommen konnten, entschieden uns aber dann doch fuers Schlafengehen.
Am naechsten Morgen wurden die besten Vorsaetze fuer unsere Oesterreich-Etappe beschlossen:
-kein Alkohol
-keine Party
-keine Unterkuenfte (Wild Campen)
-viele Kilometer, wenig Ausgaben

Schliesslich machen wir hier keinen Urlaub, sondern eine Radreise.

Tobi

 

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