Das Interview

  Bronco: Hi Tobi und Sebastian, wie geht es Euch? Man, das ist ja wirklich verrückt. Mit dem Fahrrad wollt Ihr Euch in den nächsten 12 Monaten in der Weltgeschichte herumtreiben. Wenn ich so an den Namen Eurer Homepage denke, "weit-weit-weg". Wohin soll es denn so weit weg gehen?
Tobi: Am liebsten einmal um den Globus.

Sebastian: Dafür werden allerdings unsere beiden Urlaubssemester nicht ganz ausreichen. Geplant ist folgendes: Von Berlin aus starten wir Anfang April Richtung Istanbul (Türkei). An der Adria entlang sind es knapp 3000 km bis nach Istanbul.
Tobi: Von Istanbul aus geht es dann weiter Richtung Iran. Bis nach Teheran durchqueren wir die Türkei über Ankara und Erzurum. Der ein oder andere Umweg im Iran ist miteingeplant, sodass wir Verwandte meines Vater besuchen können.
Sebastian: Ursprünglich wollten wir den Iran in Richtung Turkmenistan verlassen und über die Nordroute, durch Usbekistan und Kirgisistan nach China einreisen. Von dort aus wiederrum über den Karakoram-Highway nach Pakistan radeln. Da diese Traumstraße zum größten Teil durch den Kaschmir verläuft, ist uns diese Route auf Grund der politischen Lage etwas zu heiss geworden.
Tobi: So werden wir aller Voraussicht nach vom Iran aus durch Pakistan (Zug) nach Indien gelangen.

Bronco: Indien ist riesig, schade das die Himalaya-Route über den Karakoram-Highway entfallen musste.
Sebastian: Naja, der Himalaya steht weiter auf dem Programm, schließlich haben wir ja noch ein paar Monate Zeit. Von Indien aus wollen wir über Nepal nach Tibet einreisen. Das Tibetanische Hochplatoe ist einer der Höhepunkte unserer Reise. Ab Lhasa (Hauptstadt Tibets) müssen wir uns allerdings die Taschen nochmals richtig mit Proviant vollstopfen. Nächstes Ziel heisst Kunming in Yunnan, der südlichen Provinz Chinas. Der Weg dorthin führt über ca. 15 Pässe zwischen 4000 und 5000 m.

Bronco: Seid Ihr denn überhaupt physisch vorbereitet für eine solche Belastung?
Tobi: Unsere volle psychische als auch physische Leistung werden wir sicherlich nicht gleich zu Beginn unserer Reise haben. Aber unserer Erfahrungen haben gezeigt, dass sich doch mit der Zeit bei Radfahren eine ganze Menge Kondition antrainiert werden kann. Frühere Radtouren, wie z.B. die Tour von München nach Nizza oder unsere 5 Wochen Nordkap-Tour durch Finnland, Schweden und Norwegen, sind zwar nicht vergleichbar mit dieser Tour, trotzdem sammelten wir damals wichtige Erfahrungen was das Kennenlernen der Grenzen unserer körperlichen Leistungen angeht.

Bronco: Nochmal kurz zurück zur Reiseroute. Was erwartet Euch nach China. Wird es denn nicht langsam ein bisschen kalt?

Sebastian: Mit der wichtigste Punkt beim Planen einer Reise ist, sich nach den natürlichen Umgebungen der jeweiligen Länder zu erkundigen. Sommer in der Wüste oder Winter auf hochgelegenen Gebieten erschwert die Reise ungemein. Voraussichtlich werden wir im Oktober die großen Höhenlagen des Himalayas verlassen haben, sonst müssten wir uns dort wirklich warm anziehen.
Weiter geht von China durch Laos nach Thailand. Ab nun heißt es Meeresluft statt Höhenluft schnuppern. Über Malaysien setzen wir nach Indondesien über. Nach den Inseln Java, Sumatra und Bali haben wir dann endlich das andere Ende der Welt erreicht: Australien und Neuseeland.

Bronco: Ist dies das Ende Eurer Reise?
Sebastian: Wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen: Ja! Ich glaube aber nicht, dass die gesamte Tour so ablaufen wird, wie wir uns das bis jetzt vorstellen. Dafür ist das ganze Vorhaben einfach viel zu komplex. Ohne unsere Leserschaft beunruhigen zu wollen, stehen uns bei dieser Reise eine ganze Menge Probleme im Weg.
Wir werden regelmäßig über das Internet die politische Lage verfolgen und gegebenfalls kurfristig und flexibel entscheiden müssen. Ich denke, das Gefühl beim Aufwachen nur das eine Ziel vor Augen zu haben, sich von der Neuigkeit der Ereignisse tragen zu lassen, stellt für uns die Faszination der Reise dar. Vielleicht kommt es noch zu einem Abstecher nach Südamerika.

Bronco: Die Route geht zum größten Teil durch ärmere Regionen mit schlechten Straßenverhältnissen und schlechten Infrastrukturen. Damit setzt ihr euch ja auch vielen Risiken aus.

Tobi: Bestimmte Risiken lassen sich dadurch verringern oder ausschließen, dass man sich im Vorfeld ausreichend über die Begebenheiten der einzelnen Reiseziele informiert, um auf Probleme wie z.B. Krankheiten, Wetterbedingungen usw. vorbereitet zu sein. Es gibt dazu sehr viel Literatur. Man sollte hierbei aber auch kritisch sein. Man hört immer sehr viel von gefährlichen Gegenden im Ausland, in denen man als Tourist nichts zu suchen hätte. Im Ausland wiederum hört man, dass hier in Deutschland jeder Ausländer von Nazis verprügelt wird. Letztlich kann uns keiner hundertprozentig genau sagen, was uns erwartet.

Bronco: Jetzt haben wir von Euch ja schon ein Menge über die Route erfahren. Warum nehmt Ihr aber um Gottes Willen für diese 25000 km das Fahrrad?

Tobi: Auf unseren bisherigen Touren haben wir das Fahrrad als das für uns beste Fortbewegungsmittel entdeckt. Durch die vergleichsweise langsame Geschwindigkeit nimmt man die Umgebung viel intensiver wahr. Außerdem ist man als Radfahrer immer direkt an den Geschehnissen dran. Man wird mit Land und Leuten konfrontiert. Der sportliche Aspekt ist natürlich auch wichtig, schließlich müssen wir ´ne Menge strampeln und es ist immer ne Herausforderung.
Sebastian: Das Gefühl oben auf einem Pass zu stehen, für den man vorher stunden oder tagelang stampeln musste, ist unbeschreiblich. Ein Triumph, ein Glücksgefühl, einfach ein perfekter Tag.

Bronco: Wie finanziert Ihr eigentlich Eure Tour?

Tobi: Sebastian und ich haben in den letzten Monaten viel gearbeitet. Ob unser angespartes Geld reichen wird, werden wir sehen. Was unsere Investitionen im Vorfeld angeht, benötigten wir nicht mehr so viel Geld, da sich von früheren Touren schon einiges an Material angesammelt hat.

Bronco: Was habt Ihr denn so alles in Euren Radtaschen dabei?
Sebastian: Also jetzt alles im Detail aufzuzählen, macht in diesem Rahmen keinen Sinn. Sämtliche Einzelheiten stehen auf der Ausrüstungslistenseite. 12 Monate sind ein lange Zeit, und trotzdem heißt es nur so viel wie nötig. Was letztenendes nötig ist, liegt in unserem Ermessen. Fotos und Erinnerungen von Daheimgebliebenen zählen genauso dazu, wie diverse Musikkassetten. Ohne Musik würde ich garnicht erst losfahren, geschweige denn die Tour überstehen können!

Bronco: Dann bedanke ich mich für das Interwiew und wünsche euch viel Erfolg und Spass bei eurer Tour.
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